Sozial, neugierig und verschmust: Ratten sind besser als ihr Ruf

„Igitt! Eine Ratte!“ ist meist die erste Reaktion sobald die kleinen Tiere gesichtet werden – auch bei zahmen Heimtierratten. Bei ihrem Anblick suchen einige immer noch das Weite. Leider gibt es immer wieder Vorurteile gegen die kleinen Nager mit den dunklen Knopfaugen. „Dabei sind Heimtierratten zahme und freundliche Tiere“, erzählt Dr. Gerd Ludwig, Zoologe und Journalist.

Skeptiker sollten nicht alle Nager in einen Topf werfen. Wichtig ist, die Heimtier- oder auch Farbratte von der Wildratte zu unterscheiden. Alle heute als Heimtiere gehaltenen Ratten sind zahme und sympathische Tiere. Sie gehen auf Wanderratten zurück, die man ab dem 19. Jahrhundert zähmte, erklärt Dr. Ludwig.

Bei der Zucht dieser Rattenstämme wurde von Anfang an besonders auf ein friedfertiges und zutrauliches Wesen der Ratten geachtet. „Das gilt für alle Ratten in Menschenhand“, erklärt Dr. Ludwig. „Sie verhalten sich dem Menschen gegenüber außerordentlich anhänglich und liebenswert und bleiben auch im Rudel friedlich. Zudem übertragen Heimtierratten keine Krankheiten und sind ausgesprochen reinlich."

Ratten achten nicht nur auf ihre Körperpflege, sondern sind auch sehr soziale Tiere. „Sie haben ein großes Anschlussbedürfnis“, erklärt Dr. Ludwig. Bei keinem anderen Säugetier sei das so ausgeprägt wie bei der Ratte. Gemeinsam suchen sie nach Futter, erledigen zusammen viele Aufgaben und unterstützen sich gegenseitig. Weibchen helfen Müttern mit ihren Jungen oder versorgen sie, wenn die Mutter stirbt. Experten sprechen hier vom „Tantenverhalten“.

Ratten sind sehr verschmuste Tiere und zeigen sich auch untereinander ihre Zuneigung. Sie erkennen sich am Geruch, lecken und beknabbern sich gegenseitig das Fell und eignen sich ideal als Haustiere. „Ratten sind intelligent, neugierig, aktiv, verschmust und lernwillig – ideale Voraussetzungen für eine Heimtier-Karriere“, sagt Dr. Ludwig. IVH