Vogel entflogen? Nur die Ruhe!

Kanarienvögel und kleine Papageien wie Wellen- oder Nymphensittiche erfreuen sich bei Vogelhaltern großer Beliebtheit. Und natürlich wollen Vogelfans ihren Lieblingen den regelmäßigen Freiflug in der Wohnung gönnen. Neugierig wie die Vögel nun mal sind, passiert es schneller als gedacht, dass der gefiederte Freund durch einen kleinen Tür- oder Fensterspalt nach draußen entfliegt. Dann heißt es: Ruhe bewahren und besonnen handeln.

„Den Vogel nicht jagen oder greifen. Er muss freiwillig kommen“, sagt Hildegard Niemann, Biologin und Vogelexpertin. Anlocken ist in solchen Fällen das Mittel der Wahl. Beispielsweise mit den Rufen des Partnertieres und dem Lieblingsleckerli, wie zum Beispiel Kolbenhirse. Wer die Rufe des Partnertieres mit dem Handy aufgenommen hat, kann sie nach Bedarf überall und jederzeit abspielen.

Es kann unter Umständen hilfreich sein, wenn Vogel und Halter bereits ein gemeinsames Clickertraining absolviert haben und der Vogel das Kommando „komm“ beherrscht. Eine Erfolgsgarantie ist das nicht, denn der Vogel ist durch die neue Situation aufgeregt, aber die Chancen sind erhöht. Und Clickertraining ist in jedem Fall ein gutes Mittel, um mit Spaß das Vertrauen der Tiere zu gewinnen. Das Training lohnt sich also in jedem Fall.

Ist der Vogel nicht mehr in Sichtweite, können diese Tipps der Expertin die Suche erleichtern: Den Vogel in mehreren Kilometern Umkreis suchen. „Dabei die Windrichtung beachten, denn Vögel fliegen mit dem Wind in zehn bis 30 Metern Höhe. Zudem sollte man einen Suchflyer mit einem Bild des Vogels, der Ringnummer und den eigenen Kontaktdaten erstellen und in Geschäften, bei Tierärzten und in sozialen Netzwerken hinterlegen“, betont die Expertin.

Keinesfalls darf man den Vogel draußen einfach seinem Schicksal überlassen, denn er wird den Weg alleine nicht zurückfinden.'

Hat man den Vogel wieder, sollte er sich zunächst aufwärmen und etwas schlafen können. Anschließend sollte er einem Tierarzt vorgestellt werden, denn auf seinem Ausflug könnte er zu wenig Wasser aufgenommen haben und dehydriert sein. Außerdem könnte er von Parasiten befallen sein oder giftige Substanzen aufgenommen haben.